Aktuelles

12.04.2018
Einwohnerversammlung Ernstthal

Langsam nimmt der  Neubau für das Glaswerk Ernstthal Formen an. Besonderes Interesse an dem, was in Zukunft auf sie zukommen wird,haben die Anwohner.

Kein Wunder also, dass zur Einwohnerversammlung im Sitzungssaal des Glaswerks viele Stühle besetzt waren.

Dass nicht schon viel eher Nachfragen zu der gewaltigen Investition gekommen sind, darüber wundert sich der Lauschaer Bürgermeister Norbert Zitzmann. Über den Jahreswechsel hinweg, so erinnerte er, lief in der Stadtverwaltung die Auslegung der emissionsrechtlichen Unterlagen. Nur elf Personen haben sich dafür interessiert. „Leider machen nur sehr wenige Menschen von solchen Angeboten Gebrauch. Das hat mich verwundert“, kommentierte das Stadtoberhaupt die bisherige Zurückhaltung.

Umso erstaunlicher war das rege Interesse zur Bürgerversammlung, zu der Oliver Wiegand, Geschäftsführer von Wiegand-Glas, Rede und Antwort stand. Wohl auch deshalb, weil die Arbeiten inzwischen schon recht weit fortgeschritten sind und sich nun offenbart, was auf die Ernstthaler an Veränderungen zukommt. Dass die Anwohner beeinträchtigt werden, ist dem Firmenchef durchaus bewusst. Eben weil der Betrieb mitten im Ort steht. Aber ohne neue Investitionen, so erklärt er, sei es schwer, sich am Weltmarkt zu behaupten. „Vor 20 Jahren hatten wir noch 15 bis 20 Wettbewerber. Heute sind es nur noch die Hälfte. Wenn wir überleben wollen, müssen wir etwas besser machen“, erklärte er den Anwesenden. Das sei aber nur dann möglich, wenn das Unternehmen produktiver, qualitativ besser und flexibler sei. „Diese drei Sachen wollen wir mit dem Neubau der Wanne drei realisieren“, erklärte Wiegand. Insgesamt 50 Millionen Euro werden deshalb in Ernstthal investiert. Diese Gelder werden für neue Gebäude und modernste Technologie benötigt.

Bereits im Juni soll die Halle acht baulich fertig gestellt werden. Für die Verpackungshalle – mit Sozialräumen und Verwaltung – ist August Fertigstellungstermin. Mit dem Schornsteinbau für die Wanne drei wird im Juni begonnen. Im August soll das 70 Meter hohe Bauwerk stehen. Der alte Schlot ist im Übrigen 30 Meter kleiner, als sein Nachfolger. Der Zeitplan sieht zudem vor, dass die Arbeiten für die Wanne drei im August beginnen werden. Spätestens im November wird auch hier mit der Fertigstellung gerechnet. Ganz zum Schluss, im Januar kommenden Jahres, werden Kantine und Sozialräume in Angriff genommen. Die Fertigstellung ist auf Dezember 2019 terminiert.

Es ist ein straffer Rahmen, den Betriebsleiter Alexander Treuner den Anwohnern vorstellt. „Wegen des strengen Winters gab es einige Verzögerungen, sonst wären wir schon weiter“, rechnet er vor. Beispielsweise hätte der neue Parkplatz schon im letzten Herbst fertig sein sollen. Bis Ende April sind diese Arbeiten abgeschlossen. Dann stehen auch wieder ausreichend Stellflächen für die Mitarbeiter zur Verfügung, sicherte Treuner zu. Momentan können die Glaswerker ihre Fahrzeuge auf dem Platz neben der Sommerrodelbahn abstellen. Ein Shuttle-Service holt sie dort ab und bringt sie nach Schichtende wieder dorthin zurück.

Einen hohen Wert hat die Firmenleitung auf Umwelt- und Lärmschutz gelegt. „Wir werden eine neue Abgas- Reinigungs-Anlage installieren. Die Emissionen liegen deutlich unter dem, was wir heute haben. Ich selbst möchte ja auch saubere Luft“, versicherte Oliver Wiegand den Ernstthalern. Mit dem neuen, drei Millionen Euro teuren Schornstein ist zusätzlich gesichert, dass den Anwohnern keine Abgase aufs Grundstück geweht werden.

Vor allem aber das Thema Lärm brennt den Ernstthalern auf der Seele. Das, so heißt es, liege oftmals einfach daran, dass die Mitarbeiter die Tore offen lassen. Alexander Treuner hat zudem beobachtet, dass so mancher Lkw-Fahrer im Ort Druckluft an seinem Fahrzeug ablässt. „Auch das erzeugt einen Lärmpegel“, mahnt er an. Genauso dürfe es nicht sein, dass die Brummis bei laufendem Motor beladen werden, moniert eine Anwohnerin. „Die laufen Tag und Nacht“, macht sie ihrem Herzen Luft. Man habe aus diesem Grund schon mehrfach mit den Truckern gesprochen, versichert Treuner. Das hätte aber immer nur zu kurzzeitigen Verbesserungen geführt. Trotzdem sollen sie noch einmal sensibilisiert werden. Auch die Flaschenverschrottung wird künftig in einer isolierten Halle erfolgen. Damit fällt ein weiterer Beschwerdepunkt in Zukunft weg.

Ob das ausreichend ist? Das möchte ein anderer Ernstthaler bezweifeln. Deshalb hat er Oliver Wiegand im Sommer auf seine Terrasse eingeladen, damit der sich selbst ein Bild davon machen kann, was geräuschtechnisch im Ort ankommt. Für den Geschäftsführer gilt die Einladung. „Das nehme ich gerne mal wahr“, kündigte er seinen Besuch an.

Hauptkritikpunkt bei den Anwesenden ist allerdings, dass die riesige Investition viel zu groß für den kleinen Ort sei. Immerhin würde nun auch das Transportaufkommen steigen, sind sich die Einwohner sicher.

Ja, sagt Oliver Wiegand, das sei durchaus so. Am Tag fahren künftig acht Lkw mehr als bisher das Werk an. Dagegen gibt es auch keine Handhabe, hakt Bürgermeister Norbert Zitzmann nach. Er sei bei der Erörterung im Landratsamt dabei gewesen. „Der Landkreis sagt, das ist eine öffentliche Straße und dafür gibt es keine Limitierung für die Anzahl der Lkw“. Ob eine 30er Zone rund um das Glaswerk kommen wird, kann das Stadtoberhaupt aber auch nicht beantworten. „Das ist noch in der Überprüfung“, spielt er den Ball an die zuständige Behörde im Landratsamt weiter.

Wie gesagt: Dass es Beeinträchtigungen gibt, ist Oliver Wiegand nicht unbekannt. Aber: „Ohne das Glaswerk hättet ihr alle keinen Lärm – aber auch 560 Leute keine Arbeit.“